Gedanken zur Adventszeit
 
Anfahrt zum Lebendigen Adventskalender
Lebendiger Adventskalender in der Seelsorgeeinheit Amöneburg

1. Fenster des Lebendigen Adventskalenders 2020

Impuls

Liebe Besucher des Lebendigen Adventskalender,


ganz herzlich begrüße ich Sie zur Öffnung des 1. Fensters des Lebendigen Adventskalenders 2020 hier in der Stiftskirche. Wir stehen in einer ganz besonderen Zeit, die wir alle so noch nicht erlebt haben. Heute sprechen wir ganz selbstverständlich ein Wort aus, das wir vor 10 Monaten noch gar nicht kannten: Coronavirus. Mittlerweile gehört es bereits selbstverständlich zu unserem Wortschatz dazu.
Ein Virus mit dem Namen Corona hat alles ins Wanken gebracht, was zu Beginn des Jahres als unumstößlich galt. Es gibt keine Sicherheit mehr, weder im gesellschaftlichen Leben noch im wirtschaftlichen Leben, ja nicht einmal mehr im kirchlichen Leben. Wer hätte das gedacht: Ein Virus hat das Potential viele Menschen zu töten. Niemanden ist es bisher gelungen, Corona zu verhindern. Und nicht Helden, sondern ganz normale Menschen müssen lernen, mit einer Bedrohung umzugehen, wie wir sie zu unseren Lebzeiten – zumindest in unseren Breiten noch nie erlebt haben. Keiner weiß, was uns alles noch bevorsteht – und das ist auch gut so.

Diese Entwicklung, die ich gerade beschrieben habe, hat mich auf die Idee gebracht, ein nicht ganz alltägliches und auf den ersten Blick auch kein adventliches Thema als Impuls für das 1. Fensterchen des Lebendigen Adventskalenders 2020 auszuwählen. Schauen wir uns in Ruhe einmal das Fenster an, das jetzt erleuchtet wird:

Der Blick fällt auf der rechten Seite auf ein Koordinatensystem. Solche Grafiken kennen wir seit März dieses Jahres zu genüge. Egal zu welcher Uhrzeit man das Fernsehen anmacht: wir bekommen irgendwelche Statistiken, Kurven mit den neuesten Coronazahlen präsentiert, dazu Kurven und Balken mit den Belegungen von Krankenhaus – und Intensivbetten. Eher selten gibt es auch Kurven mit Menschen, die wieder gesund geworden sind.

Die Kurve oder die Linie auf dem Fenster ist durch 5 Herzen bestimmt, die immer mehr ansteigen. Die Herzen steigen also höher, man könnte auch sagen, sie vermehren sich. Auf der linken Seite sehen wir ein Viruskörper dargestellt: Es erinnert an das Coronavirus. Beim genauen Hinschauen sehen wir aber keine Dornen oder Kronen, die dem Coronavirus seinen Namen geben. Wir sehen Herzen. Damit ist hier ein neuartiges Virus dargestellt: Das Virus der Nächstenliebe (natürlich mit Mundschutz – wie es sich gehört). Das 1. Fenster des Lebendigen Adventskalenders trägt den Namen: ansteckende Nächstenliebe.

Und damit wird es doch ein adventliches Fenster: denn in den kommenden Wochen bereiten wir Christen uns auf das Kommen Jesu auf diese Welt vor. Aus Liebe zu uns Menschen nimmt Gott unsere Menschengestalt an. Jesus hat die Liebe Gottes in die Welt gebracht. Und diese Liebe soll sich immer weiterverbreiten. Das Virus der Nächstenliebe soll um die Welt gehen und alle Menschen infizieren und ihre bekannten Symptome wie Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft und Füreinander Dasein müssen sich wie eine Epidemie in der ganzen Welt ausbreiten. Jeder, der sich mit dem Virus der Nächstenliebe ansteckt, wird die Welt ein bisschen heller machen.

Nächstenliebe, Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft, Hoffnung – all das muss in nächster Zeit wachsen. Eine wirklich adventliche Botschaft!


Lied: Tragt in die Welt nun ein Licht


Ein Dominoeffekt der Nächstenliebe ereignete sich im letzten Jahr in Oldenburg. Der Comedian Chris Tall (27) spielt dort routiniert sein Solo-Programm ab – business as usual. Dabei spricht er – wie so häufig - eine Rollstuhlfahrerin im Publikum an. Das Mädchen namens Lisa erzählt von ihrem seltenen Gendefekt und dass ihre Krankenkasse die notwendige Behandlung nicht übernehmen möchte. Der "Kosten-Nutzen-Faktor" sei nicht gegeben. Der Komiker ist darüber schockiert und bietet an, sich nach der Show mit ihr zusammenzusetzen. Vielleicht kann er ihr ja irgendwie helfen.

Die Zuschauer wollen der 19-Jährigen aber sofort helfen. Zunächst kommt ein einzelner Mann nach vorne zur Bühne und spendet für die Behandlung. Damit löst er einen Dominoeffekt der Nächstenliebe aus! Immer mehr Menschen strömen zur Bühne und geben dem Komiker Geld. Insgesamt kommen so fix 4.000 Euro zusammen. Der Komiker packt die gleiche Summe nochmal obendrauf, so dass insgesamt unfassbare 8.000 Euro für Lisa auf der Sollseite stehen.

Aber es wird nicht nur Geld gespendet: Ein anwesender Professor will der Rollstuhlfahrerin mit seinem Fachwissen helfen und bietet an, sie zusammen mit anderen Ärzten kostenlos zu untersuchen. Um ein Taxi dafür muss Lisa sich auch nicht mehr kümmern. Die Sanitäter vor Ort sichern zu, den Fahrdienst für die Untersuchung liebend gerne zu übernehmen.

Auf Facebook schreibt Chris Tall: "Diese tolle Frau wird hoffentlich bald wieder laufen können." Und durch die spontan gesammelten Spenden hat Lisa vielleicht die Chance dazu. Denn die 19-Jährige braucht ein spezielles, kostspieliges Fahrrad, um ihre Muskeln wiederaufzubauen. Und der Komiker schreibt weiter: "Danke an alle Spender, danke für diesen unvergesslichen Abend. Ein für mich einmaliger, emotionaler und wundervoller Moment. Oldenburg, Lisa und ich danken euch."


Ihr seht: Die Nächstenliebe kann die Welt verändern, wenn sich Menschen mit der Liebe infizieren lassen. Damals zur Zeiten Jesu und heute auch bei uns.

Lass dich vom Virus der Nächstenliebe anstecken und infiziere damit viele andere Menschen. Dann wird 2020 eine der schönsten Adventszeiten und in wenigen Wochen wirklich Weihnachten.


Lied: Kleines Senfkorn Hoffnung


Fürbitten:

Gott, wir beten für alle Menschen in der Welt. Infiziere du sie mit deiner göttlichen Liebe und hilf ihnen dabei, das Virus der Nächstenliebe ungeschützt an andere weiterzugeben. Gott, unser Vater…


Wir beten für alle Menschen, in deren Herzen es in diesen Tagen immer dunkler wird, da sie einsam und allein sind. Schenke Ihnen Menschen, die sie mit dem Virus der Nächstenliebe erreichen und aufmuntern. Gott, unser Vater…


Wir beten für alle, die in diesen Wochen an Covid19 erkrankt sind; für die Infizierten – auch für die mit einem leichten Verlauf – und für alle, die mit Infizierten Kontakt hatten und jetzt in Furcht leben oder in Quarantäne müssen. Gott, unser Vater…


Wir beten für alle, die Angst davor haben, sich oder andere mit Covid-19 zu infizieren. Für die Frauen und Männer, die in Krankenhäusern, Arztpraxen und Gesundheitsämtern oft am Limit arbeiten. Für alle Erkrankten und für diejenigen, die kein Verständnis für die gesell­schaftlichen Einschränkungen haben. Gott, unser Vater…


Wir beten in den Zeiten der Pandemie für alle, die in Wissenschaft und Forschung tätig sind und nach einem geeigneten und verträglichen Impfstoff suchen; für alle, die sich darüber Gedanken machen, wie wir die Pandemie in den Griff bekommen können. Gott, unser Vater…


Wir beten für alle Menschen, die an Covid19 verstorben sind. Nimm die Verstorbenen bei dir auf und tröste die Hinterbliebenen. Gott, unser Vater…


Legen wir all unsere Bitten, die ausgesprochenen und die unausgesprochenen hinein in das Gebet, das Jesus uns zu beten gelehrt hat.


Vater unser


Gebet

Gott, unser Vater. Wir stehen am Beginn der Adventszeit, die in diesem Jahr so ganz anders ist, weil ein gefährlicher Virus unsere Welt fest im Griff hat. Trotz allem bereiten wir uns in den kommenden Wochen auf deine Ankunft in dieser Welt und in unseren Herzen vor. Du möchtest die Herzen von uns Menschen mit deiner Liebe erreichen. Infiziere uns mit dem Virus der Nächstenliebe, damit Liebe, Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft und Hoffnung in uns wachse und wir den Virus der Nächstenliebe durch unser Tun an andere weitergeben. So kann es durch uns in den Herzen vieler Menschen etwas heller werden und etwas von deiner Weihnachtsbotschaft in dieser Welt aufscheinen. Darum bitten wir dich durch Christus, unseren Herrn. Amen.


Und so segne und begleite uns und alle Menschen der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters und des Sohnes und Heiligen Geistes. Amen.


Lied: Macht hoch die Tür